Katharina und multikulturell - Zur Geschichte von Odessa

„Hier atmet man ganz Europa", sagte einst der Schriftsteller Alexander Puschkin über Odessa. Schon immer lebte in der Stadt ein Völkergemisch. Kein Wunder - die Hafenstadt am Schwarzen Meer war seit ihrer Gründung durch einen Erlass der Zarin Katharina der Großen 1794 Anziehungspunkt für Griechen, Italiener, Bulgaren, Armenier, Georgier, Polen, Moldawier, Albaner, Franzosen und Deutsche. Der Stadtplaner war Holländer, der Bauleiter Spanier und der erste Bürgermeister Franzose.
Von der Zarin angeworbene deutsche Kolonisten siedelten in großer Zahl in und um Odessa. Im Handwerk und durch den Aufbau von Betrieben, im Bildungswesen, in Musik und Architektur prägten deutsche Einwandererfamilien im 19. Jahrhundert die Stadtentwicklung ganz wesentlich mit. Bis 1914 wohnten 10.000 Deutsche in Odessa.
Die sowjetische Kollektivierung, industrielle Umgestaltung, die gewaltsamen Säuberungen in den 30er Jahren und die Russifizierungspolitik veränderte die Gesellschaft grundlegend. Der Zweite Weltkrieg brachte eine umfassende Deportation der verbliebenen deutschstämmigen Bevölkerung in den Osten des russischen Reiches. In den 90er Jahren versuchte man diese vertriebenen Deutschen vor allem aus Kasachstan und Kirgisien durch den Bau neuer Dörfer, wozu die Bundesregierung in erheblichem Ausmaß half, zu einer Rückkehr zu bewegen. Allerdings war für die meisten, wenn sie schon aufbrachen und aussiedelten, gleich Deutschland das Ziel.
Heute ist Odessa eine lebensfrohe Stadt am Meer mit ca. einer Million Einwohnern.

 

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